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Wie Politik und Wirtschaft naive Studenten ins offene Messer laufen lassen

Es ist Zeit für eine kontroverse, aber dafür leider wahre Position zu einem weithin totgeschwiegenen Thema. Wenn du dich schon immer gefragt hast, warum die Hörsäle an deiner Hochschule aus allen Nähten platzen, wie der Idiot zwei Reihen vor dir es überhaupt an die Uni geschafft hat und wieso dich alle berufstätigen Bekannten erschreckt fragen, was du mit „deinem Fach“ überhaupt „einmal anstellen willst“, dann höre jetzt sehr gut zu: Wenn du nicht aufpasst, dann lässt man dich gerade ins offene Messer laufen.

„Studenten verarschen“ in 3 Schritten

Spätestens seit Tim Urbans viralem Artikel [1] über das gefühlte Unglück unserer Generation Y von vergangenem Jahr wissen wir, dass es den meisten von uns Studentinnen und Studenten heutzutage wahrscheinlich NICHT besser gehen wird als unseren Eltern – vorausgesetzt, dass du nicht zu den Ersten in deiner Familie gehörst, die studieren gehen. Aber selbst dann ist es noch schwer genug!

Ein Studium ist heutzutage keine Garantie für Wohlstand mehr. Falls es das jemals überhaupt wirklich war. Wahrscheinlich sichert ein Einzelverdiener als Akademiker bald nicht einmal mehr die adäquate Versorgung einer Familie ab. Aber all das ist von Wirtschaft und Politik gewollt und vor 15 Jahren im Zuge des Bologna-Prozesses bilateral beschlossen worden.

Das Ziel ist die schrittweise, methodische Heranzüchtung eines „Akademischen Prekariats“:

„Ich habe den Eindruck, dass wir hier primär nur noch das akademische Prekariat ausbilden. Wenn ich die Berufsbiografien meiner Studenten verfolge: Zeitlich begrenzte Jobs, schlecht bezahlt, das sieht nicht gut aus.“ – Joachim Schultz [2] in der SZ

Denn von günstigen hochqualifizierten Arbeitnehmern „profitiert“ die Volkswirtschaft – nicht aber das Individuum. Und das geht so:

Phase 1: Politisch gewollter Akademisierungswahn

Grundsätzlich finde ich die Einführung eines Bachelor- & Mastersystem sinnvoll, allein wegen der fachlichen Flexibilität und der Wechsel- bzw. Spezialisierungsmöglichkeiten nach einem eher generalistischen Bachelorstudium. Ich zum Beispiel habe mich im Anschluss an meinem eher breitgefächerten Wirtschaftsinformatik-Bachelor für einen weiterführenden Master in Betriebswirtschaftslehre entschieden.

Was in der Realität jedoch passiert, ist, dass der Bachelor zum langfristigen Regelabschluss auserkoren werden soll – mit dem Ziel, in der breiten Masse damit die bis vor zehn Jahren eigentlich sehr gut funktionierende Berufsausbildung langfristig abzulösen (und nebenbei die Löhne für Akademiker zu drücken).

Hintergrund ist, dass Deutschland aufgrund des weltweit fast einzigartigen dualen Ausbildungssystems eine relativ geringere Akademikerquote aufweist als Länder, in denen z.B. die Ausbildung für die meisten Berufe nicht so eindeutig formal geregelt ist, wie hierzulande.

Das Problem ist: International kann man sich damit auf dem Weltparkett nicht blicken lassen!

Also müssen mehr Akademiker her. Und wie macht man das?

An sich ist dieser offenere Zugang zum Studium zu befürworten. Das Resultat sieht dann aber in der Praxis leider wie folgt aus:

Dieses plötzliche Überangebot an Akademikern wäre kein Problem, wenn ihm eine adäquate Nachfrage am Arbeitsmarkt gegenüberstünde. Aber damit sind wir schon bei folgendem Punkt:

Phase 2: Künstlich heraufbeschworener, nicht existenter Fachkräftemangel

Wenn du jetzt gerade studierst, dann hat man dir seit dem ersten Besuch eines Gymnasiums oder einer weiterführenden Schule verklickert, dass in Deutschland ein Fachkräftemangel herrscht („besonders bei Ingenieuren“).

Ein Fachkräftemangel liegt nach Definition übrigens schon dann vor, wenn sich auf eine offene Stelle nur drei (!) adäquate Bewerber bewerben, d.h. wenn für 100 offene Stellen „nur“ 300 Bewerber zur Verfügung stehen!

Das ist die Story, die seit mehr als 15 Jahren durch die Medien geistert. Mittlerweile kommt Gott sei Dank bei aufgeklärten Personen in der Bevölkerung immer mehr an, dass das wahrscheinlich Schwachsinn ist. Hier ist die Kurzfassung von dem, was wirklich passiert:

Arbeitgeberverbände rufen seit Jahren bewusst den allgemeinen „Fachkräftemangel“ aus – in guten, wie in schlechten Zeiten und vollkommen unabhängig von der jeweiligen Wirtschaftslage. Die Pressemeldungen der einschlägigen Verbände sind gefundenes Fressen für die Presse, da es simple Botschaften sind, die viel Reichweite bringen.

Wenn eine derart einfache Nachricht über viele Jahre permanent wiederholt wird, so dringt sie ohne Widerstand in das Unterbewusstsein der Allgemeinheit ein. Dies ist im Interesse der Arbeitgeber, denn der aufgrund des wahrgenommenen Fachkräftemangels losgetretene Ansturm auf diverse Studiengänge erhöht das Absolventenangebot.

Da die Arbeitgeber nicht so viele neue Mitarbeiter benötigen, wie anschließend potenziell zur Verfügung stehen, sind sie in der Lage, den Preis, d.h. die Löhne und Gehälter, drastisch zu senken. Es ist für die Wirtschaft also besonders lukrativ, die Bevölkerung glauben zu lassen, es bestünde permanenter Fachkräftemangel.

Es handelt sich hierbei nicht um irgendeine Verschwörungstheorie – selbst in Wikipedia wird schon auf die missbräuchliche Nutzung des Begriffes hingewiesen [3]. Dass bei der statistischen Begründung des „Fachkräftemangels“ bewusst methodische Fehler [4] begangen werden, die man schon „Manipulation“ nennen könnte, um eben diese Lohnsenkung zu erzielen, wurde in den Medien in den letzten Jahren schon auf vielfältige Art und Weise aufbereitet.

Anbei zwei recht aktuelle Reportagen zu Vertiefung dieser Thematik:

Weitere Artikel (und es finden sich bei weiterer Recherche noch viele weitere):

Es wird noch einige Jahre dauern, bis die enttäuschten Stimmen unserer Studentengeneration laut genug werden und die breite Masse erkennt, dass hier bewusst eine Bildungsblase erzeugt wird, die dafür sorgt, dass hochqualifiziertes Personal lediglich Stellen in unterbezahlten, nicht-akademischen Sachbearbeiterpositionen findet.

Das wäre alles noch erträglich, wenn wir uns nicht gerade eine gewisse Mentalität aus den USA importieren würden, die den meisten Studierenden, die sich darauf eingelassen haben, das Genick brechen kann, falls sie nicht sehr achtsam sind:

Phase 3: Privatisierung von Bildung & Schuldenfalle

Noch vor 15 Jahren hat kaum jemand daran gedacht, einen hohen Kredit aufzunehmen, um sich das Studium zu finanzieren oder horrende Studiengebühren an einer privaten Hochschule zu bezahlen (letztere schießen übrigens nicht ohne Grund seit mehreren Jahren wie Pilze aus dem Boden)!

Heute gehen viele Studentinnen und Studenten davon aus, dass sich diese Investitionen binnen weniger Jahren wieder amortisieren werden, weil ja „Fachkräftemangel“ herrscht und „großartige Gehälter“ auf sie warten.

Wie sich aber feststellen lässt, entsprechen die angenommenen Parameter nicht der Realität. Stattdessen sind wir längst auf dem Weg hin zur Studienkredit-Mentalität, wie sie beispielsweise in den USA vorherrscht:

Man nimmt einen fünf- vielleicht sogar sechsstelligen Kredit für ein Studium auf, um an einen hochbezahlten Job zu kommen, mit dem man dann das Studium abbezahlt, welches man überhaupt erst aufgenommen hat, um an eben jenen Job zu kommen. Ein Teufelskreis!

Pervers wird das Ganze, wenn es diese hochbezahlten Jobs gar nicht gibt und man sich selbst mit 38.000,- Euro Jahresgehalt (heutzutage leider schon ein ordentliches Einstiegsgehalt für MINT-Fächer!) schon durchaus Gedanken darüber machen muss, wie lange man an einem zuvor aufgenommenen Kredit von 25.000 Euro wirklich zu knabbern hat.

Denn dann ist man als junger Absolvent nämlich förmlich gezwungen, jeden Job anzunehmen, den man angeboten bekommt – auch zu schlechten Konditionen!

Hier ist das Problem noch einmal in einem Satz zusammengefasst:

Ein künstlich heraufbeschworener Fachkräftemangel und eine politisch gewollte Steigerung der Akademikerquote führen real zu einer Senkung der akademischen Realgehälter und der breiten Beschäftigung junger Absolventen in reinen Sachbearbeiterpositionen unter ihrer eigentlichen Qualifikation.

Warum schreibe ich das hier?

Es gibt mehrere Gründe, warum ich auf diesen Sachverhalt an dieser Stelle eingehen will.

Der Hauptgrund ist, dass ich beruflich bedingt natürlich an der Quelle sitze: Ich bekomme pro Woche hunderte E-Mails von Studierenden – und natürlich immer mehr auch von Absolventen, die sich aufgrund der ernüchternden Lage auf dem Arbeitsmarkt für ein weiterführendes Masterstudium oder gar ein ganz anderes Studium entscheiden!

Hier ist, was ich tagtäglich wahrnehme – bitte hinterfrage, ob du ähnliches nicht bereits aus deinem Bekanntenkreis kennst oder deine eigenen Erfahrungen damit gemacht hast:

Und ich habe dabei nicht den Eindruck, dass die breite Masse sich der eben geschilderten Entwicklungen wirklich bewusst ist. Viele leben in einer Traumwelt voller Regenbögen und tanzender Einhörner…

Ein weiterer Hinweis auf diese Situation kann also nicht schaden, weil sie sich im Bewusstsein der breiten Bevölkerung wahrscheinlich erst in frühestens fünf Jahren festsetzen wird – viel zu spät für dich, falls du bereits jetzt mitten im Studium steckst!

(An der Situation können weder du noch ich jetzt etwas ändern. Aber ich kann dir zumindest mit meiner Arbeit hier ein wenig dabei helfen, dich zumindest notentechnisch bestmöglichst aufzustellen. Siehe dich also ein wenig auf meinem Blog hier um oder registriere dich noch schnell zu meinem kostenlosen E-Mail-Coaching [10].)

Eines ist klar: Der Wettbewerb wird härter.

Ich weiß, dass viele, die diese Zeilen jetzt hier lesen, vielleicht mit dem Kopf schütteln, weil sie glauben, dass sie „etwas Besonderes“ sind und dass sie wahrscheinlich davon nicht betroffen sein werden. Falls du dazugehören solltest, dann empfehle ich dir noch einmal die Lektüre dieses brillanten Artikels hier: „Why Generation Y Yuppies Are Unhappy“ [11]

Siehe meinen Artikel hier also als eine Warnung an, nicht vollkommen naiv darauf zu vertrauen, dass der Arbeitsmarkt dich mit offenen Armen empfangen wird. Das ist heutzutage nicht mehr so gegeben, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Plane bitte mit wachem Verstand deine Zukunft und kümmere dich frühzeitig um deinen Berufseinstieg.

Viel Erfolg dabei!

P.S: Hier klicken für Topnoten! [10]