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Wie Politik und Wirtschaft naive Studenten ins offene Messer laufen lassen

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Es ist Zeit für eine kontroverse, aber dafür leider wahre Position zu einem weithin totgeschwiegenen Thema. Wenn du dich schon immer gefragt hast, warum die Hörsäle an deiner Hochschule aus allen Nähten platzen, wie der Idiot zwei Reihen vor dir es überhaupt an die Uni geschafft hat und wieso dich alle berufstätigen Bekannten erschreckt fragen, was du mit „deinem Fach“ überhaupt „einmal anstellen willst“, dann höre jetzt sehr gut zu: Wenn du nicht aufpasst, dann lässt man dich gerade ins offene Messer laufen.

„Studenten verarschen“ in 3 Schritten

Spätestens seit Tim Urbans viralem Artikel über das gefühlte Unglück unserer Generation Y von vergangenem Jahr wissen wir, dass es den meisten von uns Studentinnen und Studenten heutzutage wahrscheinlich NICHT besser gehen wird als unseren Eltern – vorausgesetzt, dass du nicht zu den Ersten in deiner Familie gehörst, die studieren gehen. Aber selbst dann ist es noch schwer genug!

Ein Studium ist heutzutage keine Garantie für Wohlstand mehr. Falls es das jemals überhaupt wirklich war. Wahrscheinlich sichert ein Einzelverdiener als Akademiker bald nicht einmal mehr die adäquate Versorgung einer Familie ab. Aber all das ist von Wirtschaft und Politik gewollt und vor 15 Jahren im Zuge des Bologna-Prozesses bilateral beschlossen worden.

Das Ziel ist die schrittweise, methodische Heranzüchtung eines „Akademischen Prekariats“:

„Ich habe den Eindruck, dass wir hier primär nur noch das akademische Prekariat ausbilden. Wenn ich die Berufsbiografien meiner Studenten verfolge: Zeitlich begrenzte Jobs, schlecht bezahlt, das sieht nicht gut aus.“ – Joachim Schultz in der SZ

Denn von günstigen hochqualifizierten Arbeitnehmern „profitiert“ die Volkswirtschaft – nicht aber das Individuum. Und das geht so:

Phase 1: Politisch gewollter Akademisierungswahn

Grundsätzlich finde ich die Einführung eines Bachelor- & Mastersystem sinnvoll, allein wegen der fachlichen Flexibilität und der Wechsel- bzw. Spezialisierungsmöglichkeiten nach einem eher generalistischen Bachelorstudium. Ich zum Beispiel habe mich im Anschluss an meinem eher breitgefächerten Wirtschaftsinformatik-Bachelor für einen weiterführenden Master in Betriebswirtschaftslehre entschieden.

Was in der Realität jedoch passiert, ist, dass der Bachelor zum langfristigen Regelabschluss auserkoren werden soll – mit dem Ziel, in der breiten Masse damit die bis vor zehn Jahren eigentlich sehr gut funktionierende Berufsausbildung langfristig abzulösen (und nebenbei die Löhne für Akademiker zu drücken).

Hintergrund ist, dass Deutschland aufgrund des weltweit fast einzigartigen dualen Ausbildungssystems eine relativ geringere Akademikerquote aufweist als Länder, in denen z.B. die Ausbildung für die meisten Berufe nicht so eindeutig formal geregelt ist, wie hierzulande.

Das Problem ist: International kann man sich damit auf dem Weltparkett nicht blicken lassen!

Also müssen mehr Akademiker her. Und wie macht man das?

  • Anforderungssenkung & Noteninflation an den Gymnasien und daraus resultierende Abiturquote von mittlerweile über 51 Prozent eines Jahrgangs.
  • Einführung von immer mehr Möglichkeiten zum Studium ohne Hochschulreife (z.B. durch Berufsqualifizierung)
  • Daraus resultierende Massenanstürme auf nahezu alle „potenziell lukrativen“ Studienfächer.
  • Schrittweise Ablösung von Ausbildungsberufen durch neugeschaffene Bachelorstudiengänge, z.B. in den Heilberufen, Erziehungsberufen, in Teilen des Handwerks etc.
  • Ausprägung von hochspezialisierten (Master-)Studiengängen mit nur jeweils wenigen praktischen Anwendungsfeldern.

An sich ist dieser offenere Zugang zum Studium zu befürworten. Das Resultat sieht dann aber in der Praxis leider wie folgt aus:

  • Das Abitur wurde entwertet und ist mittlerweile der Regelschulabschluss.
  • Dementsprechend interessiert sich fast niemand mehr für reine Ausbildungsberufe, da sich alle „zu Höherem berufen“ fühlen.
  • Das führt zum Mangel an ausbildungsfähigen Bewerbern in klassischen Lehrberufen.
  • Erhöhung des Arbeitsangebots an jungen (Bachelor-)Absolventen quer durch alle Fachbereiche.

Dieses plötzliche Überangebot an Akademikern wäre kein Problem, wenn ihm eine adäquate Nachfrage am Arbeitsmarkt gegenüberstünde. Aber damit sind wir schon bei folgendem Punkt:

Phase 2: Künstlich heraufbeschworener, nicht existenter Fachkräftemangel

Wenn du jetzt gerade studierst, dann hat man dir seit dem ersten Besuch eines Gymnasiums oder einer weiterführenden Schule verklickert, dass in Deutschland ein Fachkräftemangel herrscht („besonders bei Ingenieuren“).

Ein Fachkräftemangel liegt nach Definition übrigens schon dann vor, wenn sich auf eine offene Stelle nur drei (!) adäquate Bewerber bewerben, d.h. wenn für 100 offene Stellen „nur“ 300 Bewerber zur Verfügung stehen!

Das ist die Story, die seit mehr als 15 Jahren durch die Medien geistert. Mittlerweile kommt Gott sei Dank bei aufgeklärten Personen in der Bevölkerung immer mehr an, dass das wahrscheinlich Schwachsinn ist. Hier ist die Kurzfassung von dem, was wirklich passiert:

Arbeitgeberverbände rufen seit Jahren bewusst den allgemeinen „Fachkräftemangel“ aus – in guten, wie in schlechten Zeiten und vollkommen unabhängig von der jeweiligen Wirtschaftslage. Die Pressemeldungen der einschlägigen Verbände sind gefundenes Fressen für die Presse, da es simple Botschaften sind, die viel Reichweite bringen.

Wenn eine derart einfache Nachricht über viele Jahre permanent wiederholt wird, so dringt sie ohne Widerstand in das Unterbewusstsein der Allgemeinheit ein. Dies ist im Interesse der Arbeitgeber, denn der aufgrund des wahrgenommenen Fachkräftemangels losgetretene Ansturm auf diverse Studiengänge erhöht das Absolventenangebot.

Da die Arbeitgeber nicht so viele neue Mitarbeiter benötigen, wie anschließend potenziell zur Verfügung stehen, sind sie in der Lage, den Preis, d.h. die Löhne und Gehälter, drastisch zu senken. Es ist für die Wirtschaft also besonders lukrativ, die Bevölkerung glauben zu lassen, es bestünde permanenter Fachkräftemangel.

Es handelt sich hierbei nicht um irgendeine Verschwörungstheorie – selbst in Wikipedia wird schon auf die missbräuchliche Nutzung des Begriffes hingewiesen. Dass bei der statistischen Begründung des „Fachkräftemangels“ bewusst methodische Fehler begangen werden, die man schon „Manipulation“ nennen könnte, um eben diese Lohnsenkung zu erzielen, wurde in den Medien in den letzten Jahren schon auf vielfältige Art und Weise aufbereitet.

Anbei zwei recht aktuelle Reportagen zu Vertiefung dieser Thematik:

Weitere Artikel (und es finden sich bei weiterer Recherche noch viele weitere):

Es wird noch einige Jahre dauern, bis die enttäuschten Stimmen unserer Studentengeneration laut genug werden und die breite Masse erkennt, dass hier bewusst eine Bildungsblase erzeugt wird, die dafür sorgt, dass hochqualifiziertes Personal lediglich Stellen in unterbezahlten, nicht-akademischen Sachbearbeiterpositionen findet.

Das wäre alles noch erträglich, wenn wir uns nicht gerade eine gewisse Mentalität aus den USA importieren würden, die den meisten Studierenden, die sich darauf eingelassen haben, das Genick brechen kann, falls sie nicht sehr achtsam sind:

Phase 3: Privatisierung von Bildung & Schuldenfalle

Noch vor 15 Jahren hat kaum jemand daran gedacht, einen hohen Kredit aufzunehmen, um sich das Studium zu finanzieren oder horrende Studiengebühren an einer privaten Hochschule zu bezahlen (letztere schießen übrigens nicht ohne Grund seit mehreren Jahren wie Pilze aus dem Boden)!

Heute gehen viele Studentinnen und Studenten davon aus, dass sich diese Investitionen binnen weniger Jahren wieder amortisieren werden, weil ja „Fachkräftemangel“ herrscht und „großartige Gehälter“ auf sie warten.

Wie sich aber feststellen lässt, entsprechen die angenommenen Parameter nicht der Realität. Stattdessen sind wir längst auf dem Weg hin zur Studienkredit-Mentalität, wie sie beispielsweise in den USA vorherrscht:

Man nimmt einen fünf- vielleicht sogar sechsstelligen Kredit für ein Studium auf, um an einen hochbezahlten Job zu kommen, mit dem man dann das Studium abbezahlt, welches man überhaupt erst aufgenommen hat, um an eben jenen Job zu kommen. Ein Teufelskreis!

Pervers wird das Ganze, wenn es diese hochbezahlten Jobs gar nicht gibt und man sich selbst mit 38.000,- Euro Jahresgehalt (heutzutage leider schon ein ordentliches Einstiegsgehalt für MINT-Fächer!) schon durchaus Gedanken darüber machen muss, wie lange man an einem zuvor aufgenommenen Kredit von 25.000 Euro wirklich zu knabbern hat.

Denn dann ist man als junger Absolvent nämlich förmlich gezwungen, jeden Job anzunehmen, den man angeboten bekommt – auch zu schlechten Konditionen!

Hier ist das Problem noch einmal in einem Satz zusammengefasst:

Ein künstlich heraufbeschworener Fachkräftemangel und eine politisch gewollte Steigerung der Akademikerquote führen real zu einer Senkung der akademischen Realgehälter und der breiten Beschäftigung junger Absolventen in reinen Sachbearbeiterpositionen unter ihrer eigentlichen Qualifikation.

Warum schreibe ich das hier?

Es gibt mehrere Gründe, warum ich auf diesen Sachverhalt an dieser Stelle eingehen will.

Der Hauptgrund ist, dass ich beruflich bedingt natürlich an der Quelle sitze: Ich bekomme pro Woche hunderte E-Mails von Studierenden – und natürlich immer mehr auch von Absolventen, die sich aufgrund der ernüchternden Lage auf dem Arbeitsmarkt für ein weiterführendes Masterstudium oder gar ein ganz anderes Studium entscheiden!

Hier ist, was ich tagtäglich wahrnehme – bitte hinterfrage, ob du ähnliches nicht bereits aus deinem Bekanntenkreis kennst oder deine eigenen Erfahrungen damit gemacht hast:

  • Monatelange Wartezeit zwischen Bewerbungseingang und Reaktion seitens Unternehmen!
  • Viele Absolventen brauchen über ein halbes Jahr, um einen adäquaten Job zu finden!
  • Niedrige Einstiegslöhne in MINT-Fächern (deutlich unter 45.000,- Euro Jahresgehalt), in Nicht-MINT-Fächern sowieso!
  • Unzählige Bewerbungen für eine einzige Einladung notwendig!
  • Viele Arbeitgeber sind Dienstleister, d.h. akademische Leiharbeit ist mittlerweile Fakt!

Und ich habe dabei nicht den Eindruck, dass die breite Masse sich der eben geschilderten Entwicklungen wirklich bewusst ist. Viele leben in einer Traumwelt voller Regenbögen und tanzender Einhörner…

Ein weiterer Hinweis auf diese Situation kann also nicht schaden, weil sie sich im Bewusstsein der breiten Bevölkerung wahrscheinlich erst in frühestens fünf Jahren festsetzen wird – viel zu spät für dich, falls du bereits jetzt mitten im Studium steckst!

(An der Situation können weder du noch ich jetzt etwas ändern. Aber ich kann dir zumindest mit meiner Arbeit hier ein wenig dabei helfen, dich zumindest notentechnisch bestmöglichst aufzustellen. Siehe dich also ein wenig auf meinem Blog hier um oder registriere dich noch schnell zu meinem kostenlosen E-Mail-Coaching.)

Eines ist klar: Der Wettbewerb wird härter.

Ich weiß, dass viele, die diese Zeilen jetzt hier lesen, vielleicht mit dem Kopf schütteln, weil sie glauben, dass sie „etwas Besonderes“ sind und dass sie wahrscheinlich davon nicht betroffen sein werden. Falls du dazugehören solltest, dann empfehle ich dir noch einmal die Lektüre dieses brillanten Artikels hier: „Why Generation Y Yuppies Are Unhappy“

Siehe meinen Artikel hier also als eine Warnung an, nicht vollkommen naiv darauf zu vertrauen, dass der Arbeitsmarkt dich mit offenen Armen empfangen wird. Das ist heutzutage nicht mehr so gegeben, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Plane bitte mit wachem Verstand deine Zukunft und kümmere dich frühzeitig um deinen Berufseinstieg.

Viel Erfolg dabei!

P.S: Hier klicken für Topnoten!

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16214 mal gelesenZuletzt bearbeitet Donnerstag, 4. Dezember 2014 21:37
Über den Autor Andy hat Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre studiert und 2014 sein Masterstudium mit Auszeichnung beendet. Er ist als Executive Coach bei einserkandidat.de tätig und hat bereits über 750 Teilnehmer in seinen Intensiv-Trainings gecoacht, sowie über 32.157 Studenten via E-Mail-Coaching zu ihrem akademischen Durchbruch verholfen.

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  • André

    Sehr gut ausgedrückt ;-) Mehr oder minder weiß ich das schon seit Jahren bzw hab es immer in ähnlicher Form vermutet und bei jeglicher Diskussion im Freundeskreis oder ähnlichem so angebracht, wurde dabei aber nie wirklich ernst genommen. War auch immer nur wage Theorie und mehr Vermutung als Wissen von mir.
    Wirklich wissen kann man sowas wohl auch nie, aber stumpf die Augen davor zu schließen ist glaub ich wesentlich gefährlicher als die Sachlage anzunehmen, selbst wenn sie falsch sein sollte.

    Ich studiere momentan BWL und kann mich absolut nicht mehr dafür aufraffen. Es fehlt mir einfach ein Ziel auf das ich tatsächlich hinarbeite denn die meisten Bereiche für dich ich ausgebildet werde wären als zukünftiger Arbeitsplatz ein absolutes No-Go bei mir. Und je mehr das eigene Interesse an etwas verschwindet umso schwieriger wird es sich den entsprechenden Stoff anzueignen…

  • Sehr gut erarbeiteter Beitrag. Tolle Artikel und Reportagen, die als vetriefende Materien empfohlen werden. Die fäkalsprache im Titel entwertet in meinen Augen den Artikel etwas. Zudem wären Lösungsstrategien interessant. Reicht es wirklich sich als Student nur notentechnisch besser aufzustellen? Gibt es möglichkeiten zu erfahren wo wirklich Fachkräftemagel herrscht? Gibt es Qualifikationen oder Fertigkeiten, die außer den Noten hohes Gewicht bei Personalern haben?

    Zudem hat das System ja auch Vorteile. Was können Studenten tun um sich vor der Schuldenfalle zu bewahren? Letztendlich muss auch eine Alternative zum Angestelltenverhälnis her, wenn dieses monetär nicht mehr Lukrativ ist für junge Akademier!

    Alles in allem ein Beitrag der zum Weiterdenken und zum vertieften recherchieren anregt.

  • Ben

    Hey Andi,

    da sprichst du ein paar interessante Punkte an. Bei zweien würde ich gerne einhaken:

    1) Fachkräftemangel gibt es schon – aber nicht da, wo man es uns erzählt. Sondern, wie sollte es anders sein, in der Tech-Branche. Nicht umsonst zahlen google, facebook und Co. guten Programmieren teilweise bis zu 7.000 $ oder gar € für ein PRAKTIKUM. Weißte Bescheid.

    2) Private Hochschulen haben auch in Deutschland ihre Daseinsberechtigung. Jedenfalls die guten. Die nämlich bieten weit mehr als nur eine gute fachliche Ausbildung, sondern vor allem Nähe zu großen Firmen und somit ein perfektes Netzwerk (das wie deine Leser hoffentlich wissen weit mehr wert ist als ein Blatt Papier auf dem „Bachelor of ….“ steht). An der Bucerius Law School beispielsweise (an der ich zufällig ein Jahr studiert habe) machen 80 % (statt 25 % an staatlichen Hochschulen) ein Prädikatsexamen. Zudem winken Einstiegsgehälter von gut und gerne 100.000 € pro Jahr. Das ist „die Elite“ ja, aber Top Privat-Unis haben schon einen gerechtfertigten Return on Investment.

    Abgesehen davon läuft die Diskussion meiner Meinung nach vollkommen am eigentlichen wunden Punkt vorbei.
    Nämlich der Frage was „gute höhere Bildung“ denn eigentlich ist. Klar kann ich mit einem Studium an einer krassen Elite-Uni viel Kohle scheffeln – aber ein solcher Schmalspur-Studiengang hat für mich nichts mit „Bildung“ zu tun – ebenso wenig haben das viele Bachelor-Studiengänge.

    Adios, muchachos.
    Ben

  • KariCo

    Das kann ich nur bestätigen. Selber und durch Familienangehörige, die ein Wirtschaftsstudium aufgenommen haben und dachten das Einsteigsgehalt nach dem Abschluss sei 50000 € und mehr., sich schon glänzende Traumkarrieren ausmalten und nun teils arbeitslos sind und teils Jobs mit 35000 € haben. Also nicht viel besser als bei mir, mit 29000 € aber Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften studiert und wusste was auf mich zu kommt und es immer hieß: „was will man damit machen? Nehm BWL das ist was sicheres. “
    Nein! Das stimmt heute nicht mehr.

  • Matthias

    Im Wesentlichen kann ich alles bestätigen. Der Fachkräftemangel wurde von Politik und Medien bewusst nie definiert. Was ist eine Fachkraft? Das kann vom Produktionshelfer bis zum promovierten Chemiker alles sein.
    Zu mir:
    Ich habe noch im Diplom-Studiengang Elektrotechnik mit der Vertiefung Netzleittechnik studiert. Trotz gutem Abschluss (2,0) wollte mich insbesondere bei den Übertragungsnetzbetreibern niemand. So gings (glücklicher Weise) an der Uni auf einer Drittmittel-Stelle los. Nach mehreren Ultrakurzzeit-Verträgen (2 Monate, 5 Monate) – teilweise 50 % Stelle, war Anfang 2015 völlig unklar, wie es weiter geht. Dem Lehrstuhl kann ich aber keine Schuld geben, es ist vielmehr eine verfehlte linke(!!!) Landespolitik. Ich habe daher meine Promotion abgebrochen und habe nach gut 20 Bewerbungen mit sehr viel Glück eine anständig bezahlte (jetzt gut 50.000 €) feste Stelle bekommen. Allerdings arbeite ich im Raum München. Ihr könnt ja selber mal schauen, was dort eine Wohnung kostet – wenn man sie denn bekommt. Nicht falsch verstehen – ich bin überglücklich jetzt eine Perspektive zu haben.
    Erfahrung beim Bewerbungsprozess: Manche antworten trotz Ausschreibung erst gar nicht. Ein Totalausfall: Zum Vorstellungstermin eingeladen, Sekräterin bedauert aber, dass man mir doch noch abgesagt hätte – nur mich niemand informiert hat. Mehrere unverschämte Vorstellungsgespräche a la „Wo sehen sie sich in 5 Jahren…“ – Nun gut – was will man als Jurist oder reiner Wirtschaftswissenschaftler auch für Fragen stellen. Aus dem Bereich des Elektroenergiewesens sicher nicht. In nur drei Vorstellungsgesprächen konnte die Gegenseite das Potenzial real einschätzen, da er oder sie selbst aus dem Fachbereich stammt.

    Im Bekanntenkreis gabs ähnliche Erfahrungen. Ich kann heute also davon ausgehen, das der mantrahaft beschworene Fachkräftemangel – zumindest bei Ingenieuren – nicht existiert.

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